Die Braunkohlebranche betreibt bzw. plant in Deutschland vier Arten von Betrieben: Tagebaue, Kraftwerke, Veredelungsbetriebe und CO2-Endlagerstandorte. Diese Standorte sind über Kohlebahnen oder -förderanlagen miteinander verbunden. Im folgenden versuche ich einen vollständigen Überblick über diese Standorte, einschließlich geplanter Projekte, zu geben. Ein konsequenter Braunkohleausstieg erfordert die Schließung oder Umrüstung von sämtlichen dieser Betriebe.
Braunkohletagebaue
Gegenwärtig werden in der Bundesrepublik zwölf Braunkohletagebaue betrieben. Darüber hinaus gibt es unterschiedlich konkrete Planungen für weitere zwölf Tagebaue (bzw. deren Erweiterung).
Im rheinischen Braunkohlerevier bei Köln betreibt RWE drei große Tagebaue (in Klammer: geplante Laufzeit): Hambach (2040), Garzweiler (2045) und Inden (2030). Darüberhinaus besteht die Befürchtung, dass RWE insgeheim noch einen weiteren Tagebau Erp/Irresheim und die Erweiterung Hambach II plant, um die in Bau befindlichen Kraftwerke in Zukunft versorgen zu können.
Im Lausitzer Braunkohlerevier bei Cottbus betreibt Vattenfall fünf Tagebaue (in Klammer: geplante Laufzeit): Jänschwalde (2019), Welzow-Süd (?), Cottbus-Nord (2015), Nochten (?) und Reichwalde (2040). Darüberhinaus hat Vattenfall beantragt, die neuen Tagebaue Jänschwalde-Nord und Welzow-Süd II zu erschließen. Desweiteren beabsichtigt Vattenfall Anträge auf Erschließung der Tagebaue Nochten II, Spremberg-Ost und Bagenz Ost zu stellen.
Im mitteldeutschen Braunkohlerevier bei Leipzig befinden sich drei aktive Tagebaue (in Klammer: geplante Laufzeit). Die Mibrag betreibt die Tagebaue Profen (2035) und Vereinigtes Schleenhain (2040). Der Tagebau Vereinigtes Schleenhain soll um 220 Hektar erweitert werden. Außerdem plant die Mibrag den Aufschluss eines neuen Tagebaus in Lützen. Des weiteren betreibt die Romonta GmbH den Tagebau Amsdorf (2016). Für den Tagebau Amsdorf ist eine Verlängerung bis 2023 beabsichtigt.
Im Helmstedter Braunkohlerevier (bei Braunschweig) betreibt die E.ON Kraftwerke Gmbh den Tagebau Schöningen (Betriebsende 2017).
Schließlich plant die Mibrag für die fernere Zukunft die Erschließung von zwei weiteren Tagebauen in Lübtheen (Mecklenburg-Vorpommern) und in der Nähe von Magdeburg.
Braunkohlekraftwerke
Ungefähr 90% der in Deutschland geförderten Braunkohle werden für die Stromerzeugung verbrannt. Die Verstromung geschieht an 16 Kraftwerksstandorten, von denen drei in Kürze auf Erdgas und Biomasse umgestellt werden. An fünf Standorten sind neue Kraftwerke bzw. Kraftwerksblöcke auf Braunkohlebasis in Bau oder Planung.
Die RWE Power AG betreibt im Rheinland die Kraftwerke Frimmersdorf (13 Blöcke, 2265 MW), Goldenberg (1 Block, 171 MW), Neurath (5 Blöcke, 2208 MW), Niederaußem (8 Blöcke, 3801 MW) und Weisweiler (6 Blöcke, 2293 MW). Am Standort Neurath baut RWE gegenwärtig zwei neue Blöcke (2000 MW). Außerdem plant RWE die Erweiterung des Kraftwerks Niederaußem (1 Block, 1000 MW). Im Gespräch ist auch der Bau eines neuen Kraftwerks in Frimmersdorf, wenn dieses 2017 vom Netz geht.
Die Vattenfall Europe AG betreibt bei Cottbus die Kraftwerke Jänschwalde (6 Blöcke, 3000 MW), Boxberg (3 Blöcke, 1900 MW) und Schwarze Pumpe (2 Blöcke, 1800 MW). Bei Leipzig betreibt Vattenfall das Kraftwerk Lippendorf (2 Blöcke, 1866 MW) und in Berlin das Heizkraftwerk Berlin-Klingenberg. Das Kraftwerk Berlin-Klingenberg wird in Zukunft auf den Betrieb mit Erdgas und Biomasse umgestellt. Am Standort Boxberg ist gegenwärtig ein weiterer Block mit 675 MW im Bau.
Das Stadtwerkekonsortium “eins energie” betreibt in Chemnitz das Heizkraftwerk Chemnitz-Nord, das von Vattenfall mit Braunkohle beliefert wird. Dieses soll in Zukunft auf Erdgasbetrieb umgestellt werden.
Die Mibrag betreibt die Kraftwerke Mumsdorf, Wählitz und Deuben (alle bei Leipzig). Das Kraftwerk Mumsdorf soll 2012 durch ein Gas-Kraftwerk ersetzt werden. Bei Leipzig plant die Mibrag den Bau des neuen Braunkohlekraftwerks Profen.
Die E.ON Kraftwerke GmbH betreibt bei Helmstedt das Kraftwerk Buschhaus und bei Halle/Saale das Kraftwerk Schkopau.
Braunkohle-Veredelungsbetriebe
Neben der Verstromung wird 10% der geförderten Braunkohle in fünf Veredelungsbetrieben weiterverarbeitet. So werden Briketts für den Hausgebrauch sowie Koks und Staub für die industrielle Verbrennung, z.B. in Stahlwerken, hergestellt. Des weiteren wird Braunkohle auch stofflich für die Gewinnung von Montanwachs verwertet.
RWE betreibt im Rheinland die Veredelungsbetriebe Ville/Berrenrath (Staub), Frechen (Briketts, Staub) und Fortuna Nord (Koks). RWE-Briketts für den Hausgebrauch sind unter der Marke Heizprofi im Handel erhältlich.
Vattenfall produziert in der Fabrik Schwarze Pumpe Briketts und Staub.Vattenfall-Briketts werden unter dem Markennamen Rekord-Brikett im Handel vertrieben.
Und schließlich produziert die Romonta AG am Standort Amsdorf Rohmontanwachs für industrielle Anwendungen.
CCS und CO2-Endlagerstandorte
Um der Braunkohlenutzung einen grünen Anstrich zu verpassen, betreiben bzw. planen RWE und Vattenfall Versuchskraftwerke mit Kohlendioxid-Abscheidung (CCS – Carbon Capture and Storage). Das Kohlendioxid soll dann in CO2-Endlagern unterirdisch verpresst werden.
RWE betreibt am Kraftwerk Niederaußem eine kleine Pilotanlage zur CO2-Abtrennung. Am Standort Köln-Hürth plant RWE die Errichtung eines Versuchskraftwerkes auf Braunkohlebasis. Von dort soll das Kohlendioxid über eine Pipeline nach Schleswig-Holstein gepumpt und dort verpresst werden. Aufgrund des Widerstandes in Schleswig-Holstein hat RWE das Projekt zurückgestellt und von der Verabschiedung eines CCS-Gesetzes abhängig gemacht.
Vattenfall betreibt am Standort Schwarze Pumpe eine Pilotanlage zur Kohlendioxid-Abscheidung. Zudem plant Vattenfall in Jänschwalde 2015 die Errichtung eines größeren Demonstrationskraftwerkes mit Kohlendioxid-Abscheidung. Von Jänschwalde soll das CO2 über 100km Pipeline nach Beeskow und Neutrebbin transportiert werden, wo sich erheblicher Widerstand gegen die geplante CO2-Endlagerung regt.